Durch seine Standortgunst als Eisenbahnknotenpunkt (Köln-Mindener Eisenbahn 1845,
Bergisch-Märkische-Eisenbahn 1868, und Rheinische Eisenbahn1879), und seine Nähe
zum Mülheimer Hafen entwickelten sich bereits zu dieser Zeit in Mülheim größere Industrie/
Gewerbebereiche mit den angrenzenden für die Gründerzeit typischen Wohnquartieren
der Arbeiter (Keupstraße und Berliner Straße).
Neben dem städtischen Gas- und Elektrizitätswerk ( heute E-Werk/Veranstaltungshalle)
siedelten sich hier bekannte Betriebe, wie die Drahtseilerei Felten & Guilleaume (F & G)
und die Schamottefabrik Martin & Pagenstecher (1872) an. Besonders die Ansiedlung von
F & G war aufgrund ihrer Größe für Mülheim von herausragender Bedeutung. Sie siedelte
sich 1834 auf einer 35 ha großen Fläche in Mülheim Nord an.
1930 gab es hier 11.000 Beschäftigte. Als Folge dieser Großansiedlung ließen sich in der
Nachbarschaft weitere Zulieferbetriebe nieder. Abgesehen von der Zeit der Rezession und
der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre verlief die wirtschaftliche Entwicklung
der Mülheimer Großbetriebe stetig positiv. Ende der zwanziger Jahre verlor F & G durch den
Verkauf von 50% des Aktienbesitzes an den luxemburgischen Stahlkonzern ‚Arbed’ seine
Selbständigkeit.
Während im zweiten Weltkrieg der Stadtteil Mülheim infolge der Bombardierungen schwere
Schäden erlitt, kam der industrielle Bereich in Mülheim relativ glimpflich davon. Jedoch waren
die ausländischen Beteiligungen im Besitz F & G größtenteils verloren und die internationalen
Geschäftsverbindungen und Aufträge zunächst unterbrochen. Ab Ende der vierziger Jahre
normalisierten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und 1951 hatte F & G bereits
wieder über 9.000 Beschäftigte.




Seit Ende der 70er Jahre hatte auch F & G
stark unter der rezessiven Wirtschaftsentwicklung
zu leiden und trennte sich von einigen Tochter-
firmen. In der Folge wechselten die Beteiligungen,
Ver- und Entflechtungen mehrfach. Der Schwer-
punkt der F & G liegt seit der Nachkriegszeit in der
Kabelproduktion und seit der Verselbständigung
1986 konnte sich die F & G – Energietechnik durch
Beteiligungen im In- und Ausland beträchtlich
ausweiten.
Auch die Firma Martin & Pagenstecher erlebte nach
dem Krieg noch einmal einen Aufschwung, geriet
jedoch mit der Stahlkrise zusehends in Schwierig-
keiten und wurde 1990 endgültig aufgelöst.
Ab den 90er Jahren gab es deutliche Veränderungen
im gesamt industriell genutzten Bereich beiderseits
der Schanzenstraße. Vorreiter hier war der Umbau des
ehemaligen Gas- und Elektrizitätswerks zu dem weit
über die Stadtgrenzen Kölns hinaus bekannten
Veranstaltungszentrum E-WERK.
Auf weiteren frei gewordenen Flächen entstand eine
weiter kulturwirtschaftliche Nutzung: das PALLADIUM
(Veranstaltungs- und Eventhalle), sowie ein TV-Studio
mit wechselnden Produktionen (Ritas Welt, Die Wochen-
show, Was guckst Du mit Kajar Janar). Neben den
beschriebenen Kulturbetrieben wurden durch stilvolle
Umbauten, weitere der teilweise unter Denkmalschutz
stehenden gründerzeitlichen Industriegebäude zu
begehrten ‚Bürolofts’ mit heutigem Standard ausgebaut.
So haben sich bis heute insbesondere Firmen aus dem
kreativen Bereich sowie Dienstleister im Bereich IT und
der Medienwirtschaft in diesen Büros angesiedelt.
Mittlerweile sind durch diese erfolgreiche Wiederbelebung
des Standorts mehr als 2.000 weitere Beschäftigte im
Gebiet Mülheim/Schanzenstraße tätig.

